Feuerlöscher, Notbeleuchtung, Alarmsignal, alles ist vorbereitet – nur wir nicht

Zuerst auf den Kopf fallen à dann Helm aufsetzen
Das – nicht – Ereignis, oder doch?
Es passiert eh nichts

Feuerlöscher steht. Fluchtweg frei. Brandmelder hängt. Der Schlüsselkasten auch. Alles bereit. Bin ich es auch? Es passiert ja sowieso nichts. Die Fachhochschule Dornbirn ist sicher, oder?

Eine Reportage von Isabella Ilesic

 

Hören Sie rein

von Isabella Illesic | Feuerlöscher, Notbeleuchtung, Alarmsignal, alles ist vorbereitet – nur wir nicht

Rechnen wir mit einem Ernstfall an der Fachhochschule?

Michael Sauter, Student an der Fachhochschule Vorarlberg
„Ich glaube, wirklich rechnen müsste man jetzt nicht unbedingt damit.“

Vanessa Vetter, Studentin an der Fachhochschule Vorarlberg
„Noch nie überlegt oder darüber nachgedacht. Habe mir noch nie Gedanken darüber gemacht.“

Was ist der Unterschied zwischen den beiden Alarmtönen hier an der Fachhochschule Vorarlberg?

Edmont Gruber, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fachhochschule Vorarlberg
„Es gibt Einen der durchgehend ist, da muss man dann drinnen bleiben. Der, der nicht durchgehend ist, da muss man rausgehen. Oder ist es genau umgekehrt?“

Laura Vigl, Studentin an der Fachhochschule Vorarlberg
„Also die Unterschiede von den zwei Alarmtönen an der Fachhochschule haben wir zwar durchgemacht, kenne ich aber leider nicht mehr.“

Tobias Geier, Student an der Fachhochschule Vorarlberg
„Man hat es uns zwar beigebracht am, ich glaube, ersten oder zweiten Tag, aber da man sie nie hört, weiß man es nicht.“

Viktoria Jäger, Studentin an der Fachhochschule Vorarlberg
„Nein. Ich weiß, dass sie sich unterschiedlich anhören aber ich habe keine Ahnung wie.“

Arnold Baur, Fotograf und Student an der Fachhochschule Dornbirn
„Ich habe den Feueralarm jetzt schon zweimal miterlebt. Zumindest der würde ich wissen wie der klingt, aber wie der andere klingt, das weiß ich gar nicht. Sie haben nur erklärt, dass es eigentlich ein komplett anderer Ton ist und man ihn eigentlich gut unterscheiden kann.“

 Was wäre im Alarmfall zu tun?

Viktoria Jäger, Studentin an der Fachhochschule Vorarlberg
„Ich würde zuerst einmal nachfragen, was das für ein Alarmton ist. Ich würde hoffen, dass es irgendjemand in meiner Nähe weiß und mich der Mehrheit anschließen.“

Laura Vigl, Studentin an der Fachhochschule Vorarlberg
„Zusammenpacken und rennen! Das war im ersten Semester. Da hat uns ein netter Herr eine Einführung gegeben über die Feuergrundlagen und so weiter, aber leider habe ich das vergessen.“

Corinna Bischof, Studentin an der Fachhochschule Vorarlberg
„Bei Einem muss ich mich verstecken und beim Anderen hinausgehen. Wir haben letztes Mal ein Mail bekommen, da habe ich es mir angehört, aber ich habe es leider schon wieder vergessen.“

Bernd Fussenegger; arbeitet im Bereich Gebäudemanagement der Fachhochschule Vorarlberg; Schwerpunkt Haustechnik und Sicherheitsfachkraft
„Wir haben an unserer Fachhochschule zwei verschiedene Alarmsignale. Das Signal eins wo es eigentlich in jedem öffentlichen Gebäude gibt, das sind die Heulsirenen wo durchgehend auf und abschwellend ertönen. Das ist der sogenannte Brandalarm, wo eine Hausräumung auslöst und das zweite Signalton, da sind dieselben Sirenen im Einsatz, aber nur kurzzeitig, dann gibt es wieder eine längere Pause, dann wieder kurzzeitig und das so vier bis fünfmal wiederholen, damit man deutlich erkennt, es ist anders als das durchgehende Signal. Dort müssen sich alle Personen im Haus in Sicherheit bringen.“

Wie hast du deinen letzten Alarmfall erlebt?

Ylene Dona, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Leiterin der Postdigitalen Werkstatt
„Kurzes schockiertes Aufsehen. Was machen wir jetzt? Interessant war, dass keiner richtig reagiert hat. Insofern, dass wir uns vielleicht auch bereit gemacht hätten, sondern eher dieses frustrierte: Ach müssen wir jetzt.“

Tobias Geier
„Zuerst habe ich mir nur gedacht: Wow, das muss jetzt auch grad nicht sein. Aber da wusste ich noch nicht, dass es ein Probealarm ist. Aber wir sind alle zusammen einfach locker hinausgelaufen und haben uns nicht viel dabei gedacht“

Susanne Pilz; Psychotherapeutin und klinische Psychologin
„Das nennt man den „Optimistic Bias“. Ein unrealistischer Optimismus, der zu Fehleinschätzungen von Gefahren führt.“

„Also, dass man einfach immer von einem verzerrten Bild ausgeht, dass einen persönlich all diese Gefahren nicht betreffen werden über die da informiert wird. Dass man einfach von der Wahrscheinlichkeit ausgeht, dass es einen selber nicht betreffen wird und das auch ruhig wieder vergessen werden kann.“

Edmont Gruber
„Ich denke mir immer es ist eh nur ein Probealarm.“

Corinna Bischof
„Okay es ist ein Probealarm, denn es passiert nie etwas.“

Susanne Pilz
„Ich denke punkto Probealarm ist es so, dass Menschen wahrscheinlich sehr viel häufiger Probealarme erleben als tatsächlich alarmierende Ereignisse. Daher in ihrer Erinnerung auf das wahrscheinlichere Ereignis zurückgreifen, dass es eben nur ein Probealarm sein wird und nicht wirklich mit einer Angstreaktion reagieren. Also für die psychische Gesundheit ist es ein gewisser Schutz, dass man von vornherein davon ausgeht, es wird eh nichts sein. Dass man sich einfach weniger mit Ängsten und Gefahren beschäftigen muss und sich weniger Sorgen machen muss, wenn man davon ausgeht, es wird eh alles gut gehen.“

Peter Kaufmann; Haupt Amtlicher Gerätewart und Kommandant Stellvertreter der Feuerwehr Dornbirn
„Die Menschen reagieren meistens so als, dass sie es als Täuschungsalarm von vorherein absegnen, weil es halt zweimal im Jahr vorkommt, dass es wirklich nichts ist, aber es gibt immer wieder Alarme wo was ist. Aber dass sie es grundsätzlich nicht ernst nehmen ist wahrscheinlich der größte Fehler oder die größte Sache, die sie falsch machen.“

„Brandrauch ist sehr gefährlich. Zwei bis drei Atemzüge von giftigem Brandrauch, wissen wir, führt zu Bewusstlosigkeit. Alles was darüber geht, kann zum Tode führen.“

Muss also immer zuerst was passieren, bevor man was dagegen unternimmt?

Vanessa Vetter
„Ja, es ist voll oft so. So ist der Mensch einfach. Man denkt immer einem selber passiert so etwas nicht und wenn es dann wirklich einmal passiert, dann ist die Panik groß.“

Michael Sauter
„Ja ich glaube auch, dass es gerade mit Katastrophen bei den meisten Menschen auch hier wahrscheinlich so wäre, dass es einem wirklich erst bewusstwird, was muss ich jetzt machen, aber auch was passiert denn wirklich, wenn es soweit wäre.“

Ylene Dona
„Wenn man daran denkt, dass man erst krank sein muss um zu schätzen, dass man gesund ist. Ja, vermutlich wird der Großteil der Mitarbeiter, Studierenden, Dozenten, erst einen Problemfall haben müssen, um zu registrieren wie wertvoll diese Übungen und Alarme sind.“

Peter Kaufmann
„Man sollte das immer ernst nehmen. Ich weiß, wenn es ein paar Mal vorkommt. Wenn es wenig vorkommt ist die Akzeptanz größer und wenn es mehrmals vorkommt, dann wird es immer mehr belächelt es ist eh nie was, aber genau dann ist die Gefahr am größten, dass wenn wirklich einmal was ist, dass man halt genau nicht das tut was man tun sollte. Das zeigt die Erfahrung“

Susanne Pilz
„Ich denke, wenn es einen betrifft, dann betrifft es einen zu 100 Prozent. Dann ist diese optimistische Fehleinschätzung nichts mehr wert.“

Bernd Fußenegger
„Das wichtigste ist sicher, dass alle Menschen, wo solche Gebäude betreten, dass sie die Augen ein bisschen offenhalten. Wo sind die Fluchtwege? Wie flüchte ich da? Und wenn ein Signal kommt, dass ich auch wirklich reagier. Und wenn von 100 Fällen 99 Mal nichts ist. Und das hundertste Mal doch etwas. Das wäre katastrophal, wenn Leute dabei sind, wo denken, es ist eh nichts und es passiert dann was.“

Peter Kaufmann
„Wenn wir uns ehrlich sind, das ist jetzt nicht die große Belastung von jedem Einzelnen, wenn ich mir das einmal anhöre, durchlese oder bei so einer Übung einmal mitmache, ist das auf das Jahr hinaus gesehen ein geringer Faktor, wo ich Zeit aufwenden muss, aber viel in Sicherheit investiere.“

Susanne Pilz
„Es ist legitim davon auszugehen, dass man unbeschadet durchs Leben gehen wird. Es ist legitim eine optimistische Haltung zum Leben zu haben und eine positive Selbsteinschätzung zu haben, aber es widerspricht dem nicht sich trotzdem mal zu informieren, was wäre denn, wenn? Ich denke, das macht durchaus Sinn und tut dem eigenen Selbstwert auch keinen Schaden.“

Peter Kaufmann
„Wichtig ist wirklich sensibilisieren und schauen, dass man es wirklich ernst nimmt. Klar, zu Tode gefürchtet ist auch gestorben, aber schlussendlich kann es jeden Einzelnen betreffen, das muss jedem bewusst sein. Man tut das nicht für den anderen. In erster Linien gehen die Sicherheitsbestimmungen und Richtlinien für jeden Einzelnen persönlich um seine Sicherheit, seine Gesundheit, um sein Leben.“

 

Weitere Informationen über die Sicherheit an der Fachhochschule Vorarlberg können mit einem Account der FHV unter folgendem Link nachgelesen werden: https://inside.fhv.at/display/safety/Sicherheitskonzept+FH+Vorarlberg

 

 

 

 

 

DANKE!

Michael Sauter, Vanessa Vetter, Arnold Baur, Edmont Gruber, Laura Vigl, Tobias Geier, Viktoria Jäger, Corinna Bischof, Bernd Fussenegger, Ylène Dona, Susanne Pilz und Peter Kaufmann